
„Mitnichten das richtige Buch zur richtigen Zeit“, so beschloss der Dünenwanderer im Sommer die Besprechung von Sarah Kuttners Erstlingsroman „Mängelexemplar“. Ein Vierteljahr später wird auf tragische Weise deutlich: Diese Einschätzung war daneben. Ziemlich daneben.
Denn was kann falsch daran sein, mit einem Buch das Thema „Depression“ einem breiten und vor allem jungen Lesepublikum näher zu bringen? Ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, was kaum wahrgenommen wird: Depression ist so weit verbreitet, dass diese psychische Störung schon fast als „Volkskrankheit“ gilt. Sie ist mehr als ein – so Kuttner wörtlich – „fucking event“, sie ist eher ein „gesellschaftliches Minenfeld“. Und sie grassiert im Dunkeln, Betroffene wollen meist verbergen, was in ihrem Innern vor sich geht. Dem Darwin’schen „Survival of the fittest“-Credo folgend, dass Schwäche nicht akzeptabel ist. Für ein Ansinnen, Lesern und vor allem Betroffenen zu verdeutlichen, dass Depressionen kein Tabuthema sein muss, gibt es schlicht und einfach keinen falschen Zeitpunkt. Egal ob dabei die Buchautoren Sarah Kuttner, Sebastian Deisler – der jüngst seine Biografie veröffentlichte- oder sonst wie heißen.
Bei „Mängelexemplar“ hat es nun mal leider nicht funktioniert. Zumindest nicht gleich. Vielleicht lag das auch ein wenig an der – so im Dünenwanderer’schen Verriss – „schnoddrigen, verbildschirmten, angliszismenlastigen Sprache“ Kuttners. Allem voran lag’s aber an einer anderen bitteren Wahrheit: Es muss erst immer etwas passieren. Wie bei Robert Enke. Traurig.


Ja leider muss ich Dir da zustimmen. Und dabei ist „Mängelexemplar“ doch mal ein positves Beispiel dafür, was Ex-Viva-Moderatorinnen schreiben können. Ich finde den Roman noch immer richtig gut. Ebenso wie die Art und Weise, wie Sarah Kuttner mit Thema umgeht.