Fastfood muss nicht per se schlecht sein. Es ist, wie bei vielen anderen Dingen auch, eine Frage der Qualität. Und so gibt es auch in Sachen Lese-Fastfood mehr oder weniger hochwertiges Futter. Jan Weilers „Mein Leben als Mensch“ dürfte jedenfalls zur eindeutig exquisiteren Sorte gehören. Aber: Die Kolumnen-Sammlung aus dem „Stern“ ist und bleibt eben für den Leser zwischen zwei bunte Hardcover-Brötchenhälften gepresstes, schnell zu konsumierendes Futter. Ungesund ist dieser Weiler-Burger dennoch keinesfalls. Im Gegenteil.
Spätestens seit „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ kennen wir sie alle: Frau Sara, Schwiegermutter Ursula und natürlich den einzigartigen Schwiegervater Antonio, dieses Bild von einem Italiener. Sie alle haben in „Mein Leben als Mensch“ selbstverständlich ihren Platz, noch mehr allerdings der fünfjährige Aushilfs-Darth-Vader Nick, das „Pubermonster“ in Ausbildung, die zehnjährige Carla, oder das ukrainische Aupair Natalya. Mit ihnen allen erlebt Jan Weiler übers Jahr so allerhand – oder eben sie mit ihm.
Die einzelnen Episoden aus dem Leben eines Familienvaters sind, wie eingangs erwähnt, in einem Happs zu konsumieren. Selten länger als zwei oder drei spärlich bedruckte Seiten, ist Kapitel nach Kapitel rasch verschlungen. Weiler schreibt bekannt unterhaltsam, nie überfordernd und hat somit eine ideale Bettlektüre gekocht, die dem Leser keine unangenehmen oder gar schlafraubenden Nachwirkungen beschert. Mit „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ oder – fast noch besser – „Drachensaat“ ist Weilers Neuburger natürlich nicht zu vergleichen. Zu schnell ist das Gelesene nämlich wieder verdaut. Was vielleicht auch daran liegt, dass der beliebte Antonio, das Gewürz in diesem Schnellgericht, viel zu zaghaft eingesetzt wurde.
Fazit: Jan Weiler ist und bleibt lesenswert. Das gilt auch für „Mein Leben als Mensch“. Allerdings ist und bleibt das Buch Lese-Fastfood, ideal für zwischendurch. Mehr nicht. Die Investition von 14,90 Euro amortisiert sich allerdings für denjenigen, der die Illustrationen von Larissa Bartonasco schätzt. Doch auch da gilt: Dieses edle Gewürz wurde viel zu vorsichtig eingesetzt.
Das Buch:
„Mein Leben als Mensch“
Jan Weiler (mit Illustrationen von Larissa Bertonasco)
Kindler-Verlag, 224 Seiten, Hardcover
14,90 Euro
ISBN: 978-3463405711
Links:
Jan Weiler im Orchideenmedium (klickwertig!)
Jan Weiler bei der Wikipedia
Larissa Bertonasco im Orchideenmedium


Weiler ist halt etwas Schönes für die Badewanne. Im Gegensatz zu Jochimsens Dosenmilchtrauma – damit bin ich schon zweimal vor Lachen in der Wanne ausgerutscht und fast ersoffen. Beide Mal an derselben Buchstelle, übrigens.