Wenn ich ein Buch wäre, dann aber. Was ich ja nicht bin, sondern ein Blog, also eine Klowand im Orchideenmedium Internet. Was ich ja eigentlich auch nicht bin, sondern eher einer von denen, die diese Klowände beschmieren. Doch das ist jetzt egal. Wenn ich also ein Buch WÄRE, dann würde mich so manches nerven. Als Klowand oder Klowandbeschmierer auch, das aber nur am Rande. Als Buch würde mich beispielsweise nerven, wenn neben mir im Laden die gebundenen Kumpels liegen, die sich mit irgendwelchen doofen Aufklebern interessanter machen, als sie tatsächlich sind. Und inzwischen machen das scheinbar alle Kumpels. Diese Angeber. Da spielt es übrigens keine Rolle, ob ich ein Taschenbuch oder ein sogenanntes “Hardcover”, ein fest eingebundenes Buch, bin. Auf jedenfalls wäre ich eines OHNE Aufkleber.
“Bestseller”, “Spiegel-Bestseller”, gar “Weltbestseller” heißen die Federn, mit denen sich inzwischen fast alle Buch-Kumpels schmücken. Das scheint ein Gruppenzwang zu sein, dem sich kaum einer entziehen kann. Als ich mir noch nicht vorstellte, ein Buch zu sein, sondern als ich noch zur Schule ging, hat irgendein Schulkamerad plötzlich angefangen, Jojo zu spielen. Kurz darauf hat’s die ganze Klasse nachgemacht. Je ausgefeilter das Jojo, umso besser. Später dann hat einer damit begonnen, Werbeaufkleber zu sammeln – irgendwann haben alle wie blöd gesammelt und getauscht. Womit wir wieder beim eigentlichen Thema wären. Heute gibt’s doch kaum mehr ein Buch, das keinen Aufkleber hat. Da hat eben irgendwann mal einer damit angefangen, später sind alle Verleger-Lemminge gefolgt. Und die geben sich immer “kreativer”: Neben den erwähnten bunten Schildchen steht beispielsweise auch “Krimitipp” oder – besonders schön – “Spitzen-Titel” auf den Einbänden drauf. Na super. Eher ein Spitzenwitz. Als Höhepunkt klemmt an manchen Büchern jetzt ein Alu-Schildchen, auf dem “Platinum-Edition – Nur die besten unserer Bestseller” steht. Geht’s noch?
Also wenn ich ein Buch wäre, würde ich mich fragen, nach welchen Kriterien die Leser entscheiden, uns mit nach Hause zu nehmen. Als naives Papierprodukt würde ich ja bisher gedacht haben, es kommt darauf an, was auf unseren Seiten steht. Auf den Inhalt. Wenn der ein wenig langatmig ist, wird mancher durch einen kurzen, knackigen Klappentext angefixt. Ist ebenfalls okay. Auch ein schöner Buch-Titel mag ja ein Kaufanreiz sein. Und bei manchen, die mir allerdings etwas suspekt sind, kommt’s offensichtlich auf einen besonders auffälligen Einband an. Und der wird wahrscheinlich eben noch auffälliger mit einem dämlichen Aukleber.
Also wenn ich ein Buch wäre, dann würde ich mich gegen einen solchen Aufkleber wehren. Und wie. Bei mir sollte es auf den Inhalt ankommen. Jawoll. Wert legen würde ich vielleicht noch auf einen schönen Titel. Den überlege ich mir aber erst dann, wenn ich mich mal wieder in die Situation eines Buches versetze. Oder gibt’s vielleicht jetzt schon Tipps?


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Mensch mikel, Dankeschön! Äh, haben wir uns schon über die Urheberrrechte des Buchtitels unterhalten… ?