Liebe netzsoziale Mitwanderer (auch die Verirrten, versteht sich), ich bräuchte mal Eure Hilfe. So ein wenig Beratung eines gänzlich unfeuilletonistischen Schreiberlings. In eigener Sache besuchte ich kürzlich unsere liebe Freundin Wikipedia. Madame erklärte mir den Begriff “Rezension”, dabei genauer jene im Bereich Literatur. “Rezension” ist übrigens ein überbewertetes Wort, dass in meinem hirnigen Sprachzentrum zwar vorkommt, allerdings selten benutzt wird. Und schon gar nicht für Selbstgeschriebenes. Das würde ich mir nicht anmaßen *hüstel*. Erinnert mich, so ganz nebenbei, an den Begriff “Recherche”, wir er oft und gerne aufgeblasen in meinem beruflichen Umfeld fällt. Auch da gibt’s ein gefälligeres Synonym, in 99 Prozent der Fälle passend: “Telefonieren”… Aber ich schweife ab. Zurück zu Frau Wikipedia und der “Rezension”. Folgenden Satz gab sie dazu nämlich von sich, die gebildete Dame:
Kann von dieser Art Rezensenten [Anm. des Dünenwanderers: "semiprofessionelle" Rezensenten, beispielsweise freie Mitarbeiter von Zeitungen], zu denen oft genug auch Lehrer zählen, immerhin noch Einiges an Qualität in Sachen Stil und Inhalt erwartet werden, gilt dies weit weniger für eine noch kostengünstigere Rezensentengruppierung, die sich vor allem im Internet etabliert hat und bald auch die semiprofessionellen Rezensenten verdrängen könnte.
Nun, ihr Mitwanderer, mich beschleicht das Gefühl, Frau Wikipedia bezeichnet “Rezensenten” im internetten Orchideenmedium Internet als geistige Cretins, stillos und völlig bescheuert. So ganz vorsichtig ausgedrückt. Oder täusche ich mich da? Ich bitte um Rückmeldungen. Auch der eingeschobene Satz zu den Lehrern ist, zumindest aus Lehrersicht, ein wenig fragwürdig. Aber gut, wenn’s die allwissende Wikipedia (nicht zu verwechseln mit der Allwissenden Müllhalde, die ist jemand anderes) sagt. Immerhin, mein Gefühl hat sich bestätigt, dass ich für das Schreiben von Rezensionen nicht geeignet bin. Schließlich blogge ich ja… Daher wird’s zukünftig unter dieser Rubrik nur eines gegen: Buchbeschreibungen, keine “Rezensionen”. Pah.


Aaalso, das Internet ist doch der Tummelplatz der Nerds, die im echten Leben keine Freunde haben, ne! Und die keiner leiden kann, ne! Und die verschanzen sich hinter ihrem Monitor, ne! Und hinter ihrem Nickname. Und damit keiner merkt, dass man ein Nerd ist, der keine Freunde hat, behauptet man einfach, alles, aber auch alles besser zu wissen als der Rest der Welt, weil die anderen alle doof sind und nur man selber schlau, in der Hoffnung, dass die anderen das glauben. Wenn dann einer einem widerspricht, dann packt man die Ellbogen aus und haut und sticht, weil so geht das ja nicht, nech.
Und wem das nicht reicht, der meldet sich bei Wikipedia an und kann künftig behaupten, immerhin für die weltweite Internet-Enzyklopädie zu arbeiten, und schon gilt man als allwissend und darf schmähen, was das Zeug hält.
Solltest Du natürlich künftig irgendwem erzählen, Du habest ein Buch gelesen und es habe dir gefallen, bist Du natürlich unten durch bei Wickie-und-die-starken-Pedia, weil Du es im Internet tust, wo ja nur Nerds unterwegs sind, womit sich der Kreis schließt.
Also, entweder lesen wir keine Bücher mehr, oder wir melden uns bei Wikipedia als Erklärbären an. Denn Wikipedanten sind schließlich anders!
Schließlich muss ja im Internet einer den Nerds sagen, wo es langgeht, denn im Internet sind alle doof.
Ach ja, wo findet man Wikipedia noch gleich? Im … äh … öh …