Ein langes Wochenende liegt hinter mir – ohne zu bloggen. Fiel schwer, ehrlich. Doch statt Blog gab’s Kultur
. Heidelberg feierte seine Literaturtage. Vier Tage jede Menge Lesestoff, jede Menge Autoren, jede Menge bildungsbürgerliche Elite-Heidelberger, die sich untereinander austauschen, wie toll doch das Wohnen in der sündhaft teuren Weststadt ist, um anschließend einem Claudio Magris, einem Oswald Egger, einem Alex Capus, einem Jean-Philippe Toussaint und einem Pascal Mercier, einer Katja Lange-Müller und einem Thomas Glavinic wissend nickend zuzuhören. Und um danach in aller Öffentlichkeit per Mikrofon über ihre Gefühle während der Lesung zu sprechen, schräge Bilder von gespannten Bögen und Pfeilen zu generieren oder sogar – ist wirklich passiert!! – Kommentare ist Liedform und in englischer Sprache radezubrechen. So macht Kultur Spaß.
Was aber wirklich nervig war: der ach so ausgefallene Veranstaltungsort. Seit Jahren stellen die Veranstalter ein Zelt auf den sonnenüberfluteten Uniplatz. Nicht irgendein Zelt, nein. Ein “Spiegelzelt”, über 100 Jahre alt, einst ein holländischer Tanzpalast mit gelb-roten, cirquesker Optik, lustigen Nischen, Spiegelchen und Holzparkett. Eigentlich ganz nett. Bloß im späten, schwülen Frühling verleiden die gefühlten 45 Grad bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit im Innern des bunten Rundlings sehr schnell jeden Vorlesegenuss. Da braucht’s erst gar keine gesungenen Kommentare. Den Begriff “Lüften” kennt der gemeine Literaturtageorganisator offentsichtlich nur aus Büchern.
Und ich? Ich schwitze mein Hemd voll, sterbe den Hitzetod, während ein nachtzugfahrender Pascal Mercier, der eigentlich Peter Bieri heißt, stundenlang in eidgenössischen Sprechstakkato aus seinem Buch “Lea” liest. Mit einer Lesegeschwindigkeit, die zum Einschlafen auffordert. Wenn es nicht so unangenehm schweißtreibend wäre, ich mir ständig vorstelle, wie die Leute hinter und neben mir meine Schweiß-Fälle beobachten, als diese meine Kleidung durchdringen.
Nächstes Wochenende gibt es das nicht mehr. Dann sind die Literaturtage schon wieder Geschichte. Und ich kümmere mich ums Bloggen. Versprochen.


Als ich einmal einen Leseabend mit eigenen Geschichten gab, kam hinterher ein Mann zu mir und meinte, er fände es jetzt ganz seltsam, dass meine Lesung weder furchtbar noch langweilig gewesen sei, weil das doch sonst immer so sei.
Jetzt verstehe ich, was der meint.
Hm, weiß nicht. War wohl heute Morgen ein wenig zu negativ. Ändern wir beim beschriebenen Beispiel Temperaturen, Veranstaltungsort und Publikum, lassen wir außerdem den ein oder anderen Autor etwas mehr über sich und die Entstehung seiner Texte erzählen und weniger vorlesen, dann wäre das auf für meine Begriffe ne Riesensause geworden. Oder so…
oder man kann sich an eine wonderbare lesung erinnern und sich freuen, dass es – zumindest im film – noch verschrobenere menschen gibt
“Melusine… -
Krawehl, krawehl!
Taubtrüber Ginst am Musenhain,
Trübtauber Hain am Musenginst.
Krawehl, krawehl!”
Wo liest Lothar Frohwein als nächstes? Sag schon, bitte! Bei seinem Zyklus “Abschied” fange sogar ich an, englisch zu singen…