Orchideenmedium: Quelle Maileur
14. Mai 2008 von Micha
Das Telefon klingelt. Das Redaktions-Sekretariat läutet an. “Haben Sie meine Mail bekommen?”, fragt mich die Dame am Rohr. “Nö, wann haben Sie denn die geschickt”, frage ich gegen, während ich bereits im E-Mail-Eingang multitaske. “Gestern.” Nix da, weit und breit nix. “Das ist aber komisch”, grübelt sie, “ich hab’s wirklich gestern morgen in die Hauspost gegeben…”
Es ist eine Arbeitsszene, die sich in regelmäßigen Abständen aus hinteren Hirnregionen schmerzlich in mein Bewusstsein drängt - meist, wenn ich jene Sekretärin im Flur treffe. Oder wenn mich Mikel mit seinem Link zu “The Daily Mo” daran erinnert. Die Dame - die Sekretärin, nicht Mo - hat stets den perfekten Ich-druck-die-Mail-aus-und-schick-sie-per-Post-Gesichtsausdruck: Selig lächelnd hält sie den Yogi-Tee in der Hand, träumt von blühenden Wiesen, über sie mit Blumen in den Haaren schweben kann. Ich glaube ja, sie steckt auch noch immer ein Stück Papier in die Computer-Tastatur, um darauf zu schreiben, beim Verbinden eines Telefongesprächs stöpselt sie bestimmt irgendwelche Kabel um… . Naja, das mit den Kabeln könnte sogar wirklich stimmen, denn Gespräche übergeben kann sie tatsächlich nicht. Das aber nur nebenbei.
Eines steht fest: Gedanken über das Orchideenmedium Internet und seine dämonischen Auswüchse macht sie sich nicht. Da ist sie im Hause immerhin nicht allein. Was sie sicherlich freuen wird. Die Dame erweist sich dabei übrigens als extrem beratungsresistent. Mehr als einmal wurde sie schon gebeten, E-Mails doch einfach weiterzuleiten. Die jeweilige Adresse - die sich ja immer nach dem ein und dem selben Schema zusammensetzt… “ätt, wie schreibt man das nochmal…” - findet man im verlagsinternen Adressbuch. “Äh, …wo?” Quelle Maileur!
Jetzt gibt’s ja schlimmeres, als dass eine Mail auf einem Blatt Papier in die Redaktion flattert. Blöd ist nur, wenn auch die internen Postverteiler die essenziellen Grundlagen des Postwesens nicht ganz verstanden haben. Was ist Absender, was Empfänger? In einer Lokalredaktion besonders schmerzlich, wenn das nicht klappt. Täglich landen auf unseren Schreibtischen Briefe aus den Kommunen, die zum Redaktionsgebiet gehören. Dass der Brief vorbildlich adressiert ist - Wurscht. “Da steht doch Neckargemünd drauf!”, ist der Bote mit unschuldigem Gesicht überzeugt. “Stimmt, als ABSENDER…”
Man stelle sich das mal bildlich vor: Im ganzen Haus irren Papier-E-Mails herum. Mit diversen Hauspostboten dran. Stapelweise, das Papier. Und die Boten-Herzchen suchen verweifelt nach dem Absender… Quelle Maileur!
Das klingt irgendwie ganz nach Hedwig und Errol……Eulenpost a la Harry Potter…… Ich haette da noch ne neue Idee: Instant Messaging! Wuerde mich interessieren, wie das ankommt! Gruessle aus MP
Liebe Kalifornierin, die Eulenpost hat da einen Riesenvorteil: Sie funktioniert tatsächlich! Selbst mit dem armen, kleinen Errol. Vielleicht sollten wir diese Postvariante ernsthaft in Betracht ziehen. Danke für den Vorschlag, ich werde ihn weiterreichen… Äh, aber wo gibt’s die hier zu kaufen…
Herrlich, die Sekretärin… Ich darf hier gar nicht zu weit über den Schreibtisch schauen, sonst seh ich wohl ihre Seelenverwandte.
Ich bekomme noch Haftis auf die gedruckten Mails - damit ich auch weiß, wann und von wem die kam….
LG Mieka
ja, ja, die kennen wir doch alle, aber jetzt hat sogar die hohe Kulturkritik ihre Probleme mit dem Internetz und kann leider nicht mehr fäuletonnieren, weil die Nobelpreisträger ihre Romane hinter Frames verstecken… lol
http://mikelbower.de/blog/index.php/c76/die-verstoerung-der-kritiker
Solange ihr Tastaturfarbband nicht leer ist, geht es ja. Aber bitte sie nie, Bilder ins Netz zu stellen - sie könnte auf die Idee mit der Nagelschere kommen und den Bildschirm aufschlitzen!