Zu Pfingsten sprechen die Blumen
10. Mai 2008 von Micha
“Lasst mir meine Ruhe!” Oder: “Ich will kein doofes Leitungswasser, ich will Bling!” Das könnten zwei der verbalen Folgen der Gottmadinger Gratis-Aktion “Lasst Blumen sprechen” sein. Gottmadingen? Wer das Kaff am Bodensee einst nicht kannte, wurde jüngst Opfer der beispiellosen PR-Aktion “Wir kämpfen zum Muttertag für den Blumenhändler”.Denn: Ganz Gottmadingen zog vor Gericht. Zusammen mit der Stadt Bretten. Und bloß, weil am Sonntag Pfingstsonntag und der Muttertag - Blumenhändlers umsatzstärkster Tag im Jahr - zusammenfallen.
Weil aber eben Pfingsten ist, darf der Blumenhändler ausschlafen. Darf seinen Laden nicht aufmachen. Sagt der Gesetzgeber, in diesem Fall quasi Günther H. Oettinger. Die örtlichen Parlamente Gemeinderäte waren da aber anderer Meinung. “Macht hoch die Tür, Freiheit für Tulpen und Rosen”, gaben sie einen feuchten Kehrricht auf den hohen kirchlichen Feiertag. Und waren fortan in allen Zeitungen, im Fernsehen und im Internet präsent. Egal, dass der Prozess schließlich verloren ging. Gottmadingen und Bretten werden am Sonntag bersten vor Sympathie-Bekundern, vor Blumen-Kindern, werden baden in einem Blütenmeer.
Ich schreibe darüber eigentlich nur, weil auch in der Kurpfalz das Blumenthema zur Sprache kam. Nicht durch die bunten Stempelgänger selbst, sondern durch knallhart recherchierende Journalisten
. Neckargemünd, Gaiberg, Heiligkreuzsteinach, Schönau, Wilhelmsfeld: Das sind Orte mit wohlklingenden Namen, die allesamt ein Privileg haben. Gemeinsam mit ein paar hundert anderen Kommunen im gestrengen “Ländle” dürfen sie am Sonntag die Blumenläden offen halten. So sie denn wollen. Sie alle stehen nämlich, warum auch immer, auf einer Liste der Kur-, Erholungs-, Ausflugs- und Wallfahrtsorte. Im Gegensatz zu Bretten und Gottmadingen.
Neckargemünd und Gaiberg wollen aber nicht, wofür andere vor Gericht ziehen. Die Läden bleiben zu, zumindest offiziell. Da wurde im Aufbaukurs “PR für kleine Kommunen oder: Wie bringe ich meinen Heimatort in die BILD-Zeitung” wohl nicht aufgepasst. Die einen begründen die Nicht-Öffnung mit der Tatsache, dass der örtliche Blumenhändler im Urlaub weilt - an seinem umsatzstärksten Tag!! Der sollte nun aber wirklich mal ein Spezial-Seminar besuchen… Die anderen haben’s schlicht verschlafen. Oder die Blumen selbst gefragt. Motto: Lasst Blumen sprechen! Und wer kann’s denen verdenken, dass sie lieber den Kumpels die Stängel halten als in einer ömmeligen Vase auf Omas Wohnzimmertisch zu verdursten. Darauf erst mal ein 100-Dollar-Fläschchen “Bling”.