Gedanken “to go”
5. Mai 2008 von Micha
Ich gebe es ehrlich zu: Ich war böse. Ich habe mich nicht an die Aufforderung gehalten, den Samstag zum “Shutdown Day” zu machen, zum “Lass-den-Computer-aus”-Tag - beziehungsweise zum “Schalt-Deinen-Computer-ab”-Tag. Jedenfalls der Tag, an dem Mann/Frau sich anderen Dingen widmen sollte, als vor der ollen Kiste zu hocken. Am Samstag habe ich das nicht ganz geschafft - hatte den Computer aber nur kurz an, ehrlich! An der frischen Luft war ich auch. Bin durch Heidelberg gewandert und habe die Gedanken schweifen lassen. Und sie nicht sofort in die Tasten gehackt.
Wander-Gedanke 1: Ich kam an zwei Starbucks-Filialen vorbei. Nur zwei, fragte ich mich. Dabei gibt’s doch so viele Möglichkeiten für die Kaffeehausglobalisierer, die Bohnen-Heuschrecken, die Pappbecher-Riesen, die Stadt vollkommen zu verstarbucksen.
Wander-Gedanke 2: Mir fiel der gelbe Bart Simpson ein, der bei einem Besuch im Einkaufszentrum zu Springfield (Folge: “Homer geht zur Marine”) in einem Laden darauf hingewiesen wurde, er solle sich beeilen: “In fünf Sekunden wird das hier ein Starbucks sein.” Und kurz darauf ist das ganze Einkaufszentrum tatsächlich ein einziges Starbuckszentrum… Gut, Heidelberg ist nicht Springfield. Zumindest nicht überall.
Wander-Gedanken 3 und der Bogen zur Übersetzung des “Shutdown-Day”: Die Aktion “Lebendiges Deutsch” sucht derzeit eine witzige Übersetzung für den unsäglichen Begriff “Coffee to go”. Das Projekt der Stiftung Deutsche Sprache will “für jenes unbefangene Vertrauen in die eigene Muttersprache werben, wie es Engländern und Franzosen, Polen, Spaniern und Italienern selbstverständlich ist.” Und dazu werden jeden Monat Vorschläge erbeten, welche griffigen deutschen Begriffe diverse Anglizismen ersetzen könnten. Das Angebot im Mai: “Coffee to go”.
Ich muss sagen, ich war hin- und hergerissen bei meinem Wander-Ausflug. Und bin’s beim Schreiben immer noch. Einerseits kann ich jene “Highlights”, “Countdowns” oder “Service-Points”, jenes “Canceln”, “Chatten” oder “Briefen” nicht leiden, andererseits ist mir der “Coffee to go” sowas von schnurz. Ich mag nämlich schlicht keinen Kaffee. Weder im Pappbecher noch aus Omas Sonntagsservice. Und sollten die mein Stamm-Kaffee, in dem ich nur Tee trinke, zu einer Einheits-Lounge verglobalisieren, dann gibt’s aber sowas von “Trouble”, kann ich Euch sagen, dann ist bei meinem Verstand “Shutdown-Day”… ![]()
Ich hab ja gehört, Wandern sei illegal. Bah. Würd ich nicht machen. *g*
Was die Leute gegen die englischen Wörter in der deutschen Sprache haben ist mir schleiherhaft. Sollen sie fordern, dass Microsoft “Kleinweich” heißt (Wise Guys). Toller Eintrag.
…ich fänd “Kleinweich” gut. Kuschelig, vertraut, einfach sympathisch. Dafür gebe ich viel lieber Unsummen aus.