Chefreporter in der Schusslinie
3. Mai 2008 von Micha
Während die Hexen übers Land verteilt ihre Feuer entfachten, goss er ordentlich Öl hinein: ARD-”Chefreporter” Thomas Leif featerte den Kampf der Medien um Zuschauer. In der Walpurgisnacht, kurz vor der Geisterstunde. Titel: “Quoten, Klicks und Kohle”. Er brachte den Krieg der Öffentlich-Rechtlichen und der privaten Verlage auf die Mattscheibe, die ein neues Schlachtfeld betreten haben: das Internet.
Nein, jene martialische Ausdrucksweise ist nicht auf meinem Mist gewachsen, der bemächtigte sich der Fernseh-Feldherr mitsamt seiner Soldaten. Bei seinen Ergüssen unternahm Denis Scheck Thomas Leif nicht im Ansatz den Versuch, journalistisch ausgewogen, neutral, diesen “Krieg” zu beleuchten, in dem ARD und ZDF ihre Interessen im World Wide Web durchzusetzen versuchen. Nein, er geißelte offen die bösen, bösen Verlage, versuchte, die entsprechenden Verantwortlichen bloß zu stellen. Wen wundert’s, beim “ARD-Chefreporter”, könnte man meinen?
Die Reaktion der Angeschossenen war schlussendlich vorauszusehen: Die FAZ ist der Meinung, dass es Stücke im Fernsehen gibt , “denen schadet ein später Sendezeitpunkt gar nicht” und gratulieren Leif zur “Weltmeisterschaft der Suggestivfragen”. Laut dem Kölner Stadtanzeiger hat er “eine große Chance zur Versachlichung” vertan, bot mit “Quoten, Klicks und Kohle ” eher “Holzschnitt als Aufklärung”. Und der Focus konstatierte: “Es gibt Sendungen, die macht ein Sender für sich selber.” Leifs Feature sei ein Schauerstück zur Geisterstunde.
Nun, im Nachklapp muss ich sagen: Gar nicht blöd, was Herr Leif dem Spät-Gucker bot. Sein Filmchen war derart überzogen parteiisch, dass man eigentlich garnicht umhin kommt, sich über das Thema Gedanken zu machen. Sowohl über die Methoden der Verlage, ihre Pfründe zu sichern, als auch über die Heckenschützen-Mentalität der Öffentlich-Rechtlichen, die mit Gebührengelder “Qualitätsjournalismus” a la Leif im Internet betreiben wollen. So dermaßen übertrieben wirkt Thomas Leif plötzlich weniger parteiisch, eher als Getriebener mitten in der Schusslinie. Ich will nur hoffen, dass am Ende nicht er selbst auf dem Scheiterhaufen. Auch nach der Walpurgisnacht.
P.S.: Wer die Sendung verpasst hat: Sie läuft am Mittwoch, 13.15 Uhr, nochmal im SWR-Fernsehen.
Nachtrag vom 5.5.: …oder natürlich hier runterladen…