Posted by: Micha | 2. Mai 2008

Moosbeeren sporteln bei Olympia

Modisch, modern, funktionell und auch noch attraktiv - ja, so sollen sie abseits des Diskuskäfigs, der Sprunggrube oder des Kunstrasens auftreten, Deutschlands beste Körperertüchtiger. “Perfekt ausgerüstet” sei das Olympia-Team, das diese Woche seine Klamotten für die Peking-Spiele verpasst, bzw. vorgestellt bekam. Sagt zumindest der Deutsche Olympische Sportbund. Und da musste natürlich manch Kugelstoßerin, Handballerin oder Hockey-Dame gute Miene zum ab und an bösen Spiel machen. Auch jenseits des Tibet-Problems. Denn: Im Jäckchen mit der “frischen Farbe Cranberry” und einem weißen Rock oder einer weißen Hose machten die Ausstatter aus manch junger, attraktiven und durchtrainierten Sportlerin eine biedere, spießige und locker um 20 Jahre gealterte Hausfrau.
Gut 300 dieser Hausfrauen werden in einigen Wochen bei der Eröffnung winkend durchs Pekinger Vogelnest spazieren - so sie denn nicht dieses Spektakel boykottieren. Vielleicht auch wegen der Klamotten. Dazu rief jedenfalls die “Welt” auf. Für die alliterationsliebenden Kollegen waren die Sportler-Outfits “gräulich und grauenhaft”, die Damenjäckchen in der Farbnuance “Großfrüchtige Moosbeeere” (!) seien “out wie Dosenpilze”. Da ereifert sich Autorin Brenda Strohmaier so sehr, dass sie der Moosbeere gleich noch ein weiteres Emotions-”e” gönnt.
Doch weiter in der Mode-Kritik: Auch am “Casual-Look” wird kein gutes Haar guter Faden gelassen: “Hockeyspielerin Fanny Rinne musste … eine unglücklich taillierte Jacke präsentieren, mit der man ansonsten höchstens Nordic Walking bei Nebel in einem abgelegenen Waldstück betreiben würde”, schreibt Frau Strohmaier. Hübsche junge Frauen würden sich in Hosen, die knapp überm Knie enden, in “dickschenkelige Trampel” verwandeln… Jetzt mal unter uns: Erstens ist Nordic Walking (noch) nicht olympisch, zweitens sprechen wir hier unter anderem von Kugelstoßerinnen oder Speerwerferinnen und nicht von “By-Heidi-Klum”-gecasteten Models. Da wäre eben selbst ein Herr Lagerfeld machtlos. Und außerdem: Solange die sportelnden Hausfrauen den Chinesen ein paar Medaillen wegschnappen, können die doch rumlaufen wie sie wollen, oder?

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